Dienstag, 17. Februar 2015

Tag 1 - Fahrt nach Rostock zur Fähre

Anfahrt zur Fähre ca. 460km


Ok, Plan für Tag 1 der Nordtour: Bis  mittags in der Salz Mine schuften, danach geht’s los. Abends 21.30 Uhr geht in Rostock die Fähre.  Den einen gesparter Urlaubstag ist das wert, ich habe ja nur 35 im Jahr.
Das ich in der ersten Hälfte vom Tag gedanklich nicht mehr wirklich bei der Arbeit bin merke ich als ich debil grinsend über den Gang laufe und meine Kollegin mir entgegen kommt und mich lachend fragt wieviel Minuten ich denn noch arbeiten muss….
Die Fertigung hat wiedermal Probleme, mit dem Teil 4711 gibt es Schwierigkeiten – Arschlecken, macht den Scheiß alleine weiter! Für die nächsten drei Wochen bin ich raus aus der Nummer!
2..3 Stunden noch,  und dann fahre ich ans nördliche Ende der  Welt… Interessant was ihr hier macht und welche Probleme ihr habt, aber bei mir gehts heute kurz nach 15 Uhr los mit der langersehnten Norge-Tour. Und der Rest (also ab jetzt eurer nicht mein Alltag)  ist mir – mit Verlaub -scheißegal! Macht mal euer Zeug, ich bin dann mal weg!

Fertig zur Abfahrt, bepackte KTM mit Sitzbank hinten drauf
Das Krad habe ich am Vortag schon bepackt. Wochen – ach was erzählt ich - monatelang habe ich überlegt was mit muss, was ich in der finnischen und norwegischen Einöde brauche…  Zelte, Schlafsäcke, Kocher, Motorräder wurden nur für diese Tour gekauft, 10-tausende Euro wurden ausgegebenen…nur für ein Ziel – mal kurz einen Felsen recht weit nördlich zu besuchen und ein paar Fotos zu schießen.
Norwegen 2012 - Auffahrt zum Folgefonna Gletscher
 Norwegen war immer schon ein Ziel für mich, da muss man bei Gelegenheit hinfahren. 2012 hat es dann geklappt und ich war mal 2 Wochen oben, mit Anhang im Ford Focus in Höhe Bergen  - schön wars!  Von Kradfahrersicht  allerdings langweilig – nur 90 auf der Landstraße und der einzige Motorradfahrer den ich unterwegs traf war ein Warnwesten-BMW-Fahrer,  der sein Mopped buchstäblich um die Kurven trug und den ich sehr schnell, mit vollbesetzten Ford Lokus (inklusive Dachbox), herbrannte. Norwegen war damals kein Motorradland für mich. 
Norwegen 2012 - Ich auf der Trolltunga, hier geht es 600m abwärts!
Mit der Dose hinfahren, grandiose Landschaft erleben, angeln, unvergessliche Momente beim Anblick der genialen Landschaft genießen , und dann wieder in den Bürgerkäfig steigen und weiterfahren…. Eine Liebe zum Land war geboren, der nächste Urlaub in Norwegen war im Kopf fest gebucht, aber als Ziel für eine Motorradtour undenkbar!

2013 klappt es dann mit der lang ersehnte Schottlandtour. Drei Kumpels kamen mit und es wurde mit leichten Anlaufschwierigkeiten Link die bis dahin beste Motorradtour meines Lebens, einfach klasse! Im folgenden Herbst und Winter fragt man sich dann wie man die erlebte Schottlandtour toppen kann. Was kommt als nächstes und was ist größer, besser, geiler… Was ist besser als die Isle of Skyes, oder John O Gro, der nördlichste Punkt vom United Kingdom?
Die Urlaubstour vom letzten Jahr kam wieder hoch, die Sehnsucht zum Fjord, es gab doch da ein recht populäres Ziel weit im Norden von Norwegen… Der graue kalte nasse Winter schritt voran und mit der Zeit und mit dem Lesen einiger Reiseberichte Link verfestigte sich langsam aber sicher das Ziel für 20–14, Nordkap mit dem Motorrad! Googel Maps wurde gequält, Fährverbindungen wurde gecheckt, die besten Routen wurden eruiert…alles für meinen Singeltrip zum Nordkap.
Eine endlos lange Reise durch Skandinavien, zu einem Felsen der nicht mal der nördlichste Punkt vom europäischen Festland ist …. Ich brauche nicht mal zu fragen ob jemand mitkommt!   Als Termin kristallisierte sich dann die Sommersonnenwende im Juni Link heraus. Da waren die Tage maximal lang und es war die beste Reisezeit.
Als ich dann in einem Nebensatz beim Skypen mit Marc erwähnte dass ich im Juni zum Nordkap fahren will kam plötzlich ein überraschender Einwand: Der Termin passt nicht, da hat seine Kurze noch keine Ferien und kann nicht an Oma verkauft werden. Wir müssen das Ende Juli machen, dann wäre die Tour kein Problem. Ich hatte mich schon auf eine lonesome Rider Tour ala Svenja eingestellt, das Marc jetzt mitkommen wollte war eine völlig unerwarteter, aber sehr positive Überraschung für mich. Am Anfang war ich noch sehr skeptisch, der Schippe verarscht mich wiedermal. Aber die Planung wurde immer konkreter – das könnte wirklich was werden!
MZ 1000 SF und die KTM beim MZ-Treffen Nord
Durch die Probleme der Schottlandtour alarmiert fragte ich mich, ob eine so lange Tour und mein weiteres Kradfahrerleben mit der MZ zu bewältigen ist. Ich wollte in Zukunft viele Länder Europas bereisen und jedes Jahr eine „Fernreise“ unternehmen. Die völlig fehlende Unterstützung der MZ-Motorbikes  auf solchen Fernreisen wurde mir bewusst. Die einzige Hilfe im nicht unwahrscheinlichen Pannenfall bestand beim ADAC  im Heimbringe Service.  Also: Reparieren können wir nicht, aber wir bringen dich (per Flieger) und dein Mopped (per Tieflader) nach Hause. Im Jahr 2013 haben wir erlebt das es funktioniert, aber als Vorbild möchte ich so etwas nicht haben!  Andere Mütter haben auch schöne Töchter und die angesparte Kohle muss eh zurück in den Wirtschaftskreislauf, also sah ich mal um was es für andere Motorräder gibt. Mit der auch noch vorhandenen Fireblade möchte ich die Monstertor nicht machen, und der Trend geht eh zum Drittmoped. Die LC8 von KTM fand ich schon immer interessant, der Rest ist Geschichte.
Die Tante Käthe Link wurde gekauft und über einige Stolpersteine hinweg für die Tour bereitgemacht.

Lange Rede und wie üblich keinen großen Sinn: - am 28. Juli fuhr ich mit dem Auto kurz nach 12 die 15 Minuten von der Salz Mine nach Hause, wo die vollgepackte, aufgerödelte und nach Abenteuer lechzende KTM auf mich wartete. Zuhause angekommen schnell die Büroklamotten inklusive  dem öden grauen Alltag abgeworfen und in mein eigentliches Leben in Form der bereitliegenden Motorradkombi geschlüpft.
Die 90 Minuten Autobahn  waren rasch erledigt, ich traf in Wittenberg ein und stellte meine aufgerödelte KTM neben Marcs aufgerödelte, ebenfalls nach Abenteuer lechzender MZ ab.  Marc, der Gute, hatte T-Shirt für die Tour anfertigen lassen. Dadurch weiß jeder wo wir hin wollen – in Norwegisch nach dem Weg fragen müssen wir also nicht.… Er machte sich fertig und zog sich sein Zeug an. Ich trank ein Glas Wasser und wischte mir den Schweiß von der Stirn. Die Temperatur lag irgendwo über 30°C. Da ich auf dermontierten neuen KTM-Zubehör-Sitzbank wunderbar saß wanderte die originale Sitzbank vom Heck meines Mopeds in Marcs Keller. Der Kauf des Zubehörteiles war eine der sinnvolleren Investition  gewesen.
Marcs bepackte MZ
 Marc war fertig, der Startschuss fiel und die erste Etappe gen Rostocker Hafen ging los. Destruktive Gedanken durchzogen mein Hirn, würde die MZ und die KTM die lange Strecke meistern… das letzte Jahr in Schottland (MZ)  und das chaotische Frühjahr (KTM) sorgten bei uns nicht gerade für ein todsicheres Selbstvertrauen ins doch so wichtige Material…
Aber der alte Spruch stimmt, „If the flaggs drop the bullshit stopps“… wir fuhren aus Wittenberg in Richtung Norden und die unsicheren Gedanken verschwanden. Jetzt gehts los und egal was passiert – wir werden schon irgendwie wieder zuhause ankommen. Ob mit oder ohne Moped- „Leben ist das was passiert während du Pläne schmiedest“.
Montagnachmittag, kaum Verkehr auf der Straße, keine Wolke und die Sonne knallte auf den Planeten. 34° sagte das Thermometer, wir hatten nur ein Tshirt unter der Motorradjacke, und alle Belüftungsreißverschlüsse standen weit offen. Solange man fährt ist es zu ertragen. Nur gut das wir Richtung Norden fahren, es wird bald wesentlich kühler werden wenn wir erstmal in Schweden sind.
Da meine beladene KTM ab 160 anfängt leicht zu pendeln hatten wir vorher ausgemacht dass wir unter dieser Geschwindigkeit bleiben. Aber Marc der alte Heizer fährt mit 180 vorne weg. Typischer Kommunikationsfehler. Ich meinte Geschwindigkeit vom Tacho, er dachte die (genauere) Navianzeige ist gemeint….Bis zur nächsten Tankstelle muss ich also die Pobacken zusammenkneifen. Die hohe Geschwindigkeit bei den heißen Temperaturen ist auch für die Haltbarkeit der Reifen nicht gut, man sieht dann richtig den Gummiabrieb an den Flanken…aber ich habe frische Reifen drauf, die halten eine Weile. Marcs Reifen sind schon ein paar Kilometer gelaufen, aber er wird schon wissen was er tut.
Über Berlin waren wir fast alleine auf der Bahn, die Landschaft verwandelte sich in den Typus den man zwischen Berlin und Ostseeküste gewohnt ist: Plattes Land, Felder und ein paar Kiefernwälder … langweilig, aber die Vorfreude auf die Fahrt mit der Fähre hielt mich wach.
Irgendwann fuhren wir an einem alten VW-Bus vorbei. Der Fahrer saß mit nacktem Oberkörper in seinem Bulli, alle Fenster waren auf und er winkte wie ein verrückter mit seinem linken Arm aus dem Fenster während wir vorbei donnern. Was sollte das jetzt?
Unsere TomTom-Navis weisen uns den Weg zum Hafen. Kurz vor der Hafeneinfahrt ist eine größere Tankstelle. Da der Sprit in Schweden etwas teurer ist tanken wir nochmal voll und kaufen noch ein paar Schokoriegel.
Dann geht es rein in den Hafen, die Fährlinien sind halbwegs vernünftig ausgeschildert und wir finden rasch das richtige Terminal. Leider steht schon eine imposante Autoschlange davor. Einfahrt extra für Motorräder wie bei der Schottlandfähre gibt es hier nicht.
Warten auf die Abfertigung
Wir stellen uns also an der Dosenreihe an. Statt so eine Art Blockabfertigung zu machen wurde nur immer ein Auto abgefertigt und durch die Schranke gelassen. Daraufhin starteten die Autos in der über 100 m lange Schlange ihre Motoren, fuhren 5 m vorwärts und stellten ihre Motoren wieder ab. Und das dutzende Male. Den Blödsinn machte ich nicht mit, die Käthe ist zwar schwer bepackt, aber alle paar Minuten 5 m schieben bekomme ich hin. Nach unzähligen Schiebestückchen waren wir am Schalter angekommen. Bei der Buchung eine Woche vorher hatte alles geklappt, und gegen den Ausdruck der Buchung bekamen wir unsere Bordkarten und durften durch die Schranke. Wir sollten der blauen Linie folgen um zu unserem Schiff zu kommen, diese hörte aber in einem Kreisverkehr plötzlich auf. Also wieder scharf nach der Beschilderung der Fähre Ausschau halten… da stand was von Trelleborg, also abgebogen und in der nächsten Autoreihe angestellt.  Wir hatten ein ausreichendes Zeitpolster eingeplant, nicht das wieder eine gelbe Lampe am Moped angeht LINK und wir deshalb die Fähre verpassen.  Dieses Zeitpolster mussten wir jetzt natürlich absitzen, auf einer riesigen aufgeheizten Betonfläche und ohne jeden Zeitvertreib. Wenigstens standen wir direkt neben einer schattenspendenden Rampe.
Ankunft der Fähre
 Die Zeit verstrich quälend langsam, aber eine Stunde vor  Abfahrtszeit kam die Fähre in Sicht, ein Riesendampfer. Sie legte direkt neben uns an, ein haushohes Stahlungetüm.
Die haushohe Schiffswand
In der Warteschlange

Obwohl die Fähre da ist müssen wir immer noch warten...
Die Spannung in mir stieg an, vor jeder Fährfahrt bin ich aufgeregt und habe einen Knoten im Magen. Komme ich die rutschige Rampe hoch, finde ich das richtige Parkdeck, kann ich das Krad vernünftig befestigen, fällt es während der Überfahrt vielleicht um…
 Die Laster und PKWs fahren dröhnend aus dem Bach des Schiffes, und wir warten wann es endlich für uns losgeht. Inzwischen ist die Sonne untergegangen und der Platz wird von starken Scheinwerfern bestrahlt. Die Autos an der Spitze unserer Reihe starten ihre Motoren, wir haben unser Zeug schon längst wieder angezogen und sitzen fertig auf unseren Maschinen. Der schwedische Toyota vor uns fährt los, wir starten auch unsere Triebwerke und unsere Nordkaptour beginnt. Ab jetzt gibt es kein Zurück mehr.  Langsam fahren wir an den anderen Fahrzeugreihen entlang.
Auffahrt aufs Schiff
Den Dosen hinterher geht es die Rampe hoch, jetzt heißt es Abstand halten damit man nicht auf der steilen Rampe stehen bleiben muss. Prompt bremsen die Autos vor uns ab, aber ich muss erst oben langsamer fahren.  Im gleisend hellen Schiffsbauch angekommen tue ich kurz den Fuß runter um zu schauen ob der Boden glatt ist, aber der Belag ist schön griffig.
Auf dem Fahrzeugdeck
Ein Einweiser zeigt mir den Weg nach links an einer Rampe vorbei, verdammt eng hier unten. Jetzt suche ich den nächsten Einweiser der uns den Parkbereich für die Motorräder zeigt. Ich fahre aber nur den leeren Gang entlang  und biege am Ende rechts ab, vielleicht steht ja dort ein Männlein in Warnweste.
Tatsächlich kommt dort hinten ein solches Männlein hektisch winkend angerannt. Gleichzeitig höre ich von hinten Marcs Emme aufbrüllen. Deppert wie ich bin fuhr auf der Suche nach dem Einweiser an den Buchten für die Motorräder vorbei. Kein Beinbruch, schöne 180° Wende und zurück zu der Parkbucht. Die letzte Warnweste hatte wohl an diesem Tag nicht mit Motorradfahrern gerechnet und stand deshalb irgendwo anders in der Gegend rum. Und tatsächlich waren wir die einzigen Moppedfahrer auf dem Törn.
Sorgfältiges Anschlagen der Zweiräder
Im Boden neben den Motorrädern waren Ösen eingelassen und an der Wand hingen vernünftige Gurte in ausreichender Anzahl. Das Verzurren war also kein Problem. Die Motoräder wurden wie gewohnt fest gemacht, ein Spannriemen über den Sitz und dann zur Sicherheit doch noch je ein Riemen links und rechts von der Fußraste zum Boden –sicher ist sicher. Inzwischen haben wir darin Routine entwickelt.
2 einsame Motorräder
Helme und Gepäck blieben am Bock, wir nahmen nur die Tankrucksäcke mit als wir wie immer leicht skeptisch vom Fahrzeugdeck gingen – hoffentlich fällen die Kräder im schweren Seegang nicht um.
Wir hatten diesmal keine Kabine gebucht, sie waren recht teuer und unserer Erfahrung nach unnötig. In mehreren Bereichen der Fähre gab es viele freie Sitze die nicht gebucht werden mussten.  Wir besetzten also 2 Sitzreihen in einem abgeteilten Bereich. Die Sitze waren ähnlich wie in einem Bus oder Flieger, klein, nicht groß einstellbar und nach ner halben Stunde furchtbar unbequem. Tief im Schiffsrumpf war es nicht viel kälter als draußen. Dort waren es immer noch wohlige 28°und ich schwitze sanft vor mich hin.
Andere Leute hauten sich in mit Decke/Schlafsack in irgendeiner Ecke auf den Boden, ob das erlaubt war? Auf jeden Fall sah es bequemer aus als unsere Sitze.
Die Abfahrtszeit rückte näher und bald merkte man ganz sachte dass wir aus dem Hafen schwammen.  Danach hörte man nur leise die Maschinen dröhnen, ansonsten machte das Schiff keinerlei Bewegung während der Fahrt. Die Ostsee ist halt doch nur eine große Pfütze.
Ich wechselte in dem blöden Sitz alle 5 min die Stellung, mein Nacken und meine Schultern taten weh. So eine Kabine mit richtigem Bett ist doch was Feines.
Die Musik aus meinem Handy vertrieb ein wenig die Langeweile, und irgendwann nach 2 Uhr bin ich dann doch weggedämmert.





Kommentare:

  1. Ein tolles Abenteuer, der Start zu eurer Nordkap-Tour. Da wurde es mir selbst ein wenig kribblig, als es endlich auf die Fähre ging.
    Jetzt bin ich schon sehr gespannt, wie es mit eurer großen Tour weitergeht!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo HerBert!
      Danke für dein Kommentar und schön das du dich für unsere Tour interessiert. Diese Tour war 2014 und wir haben es leider nicht geschafft den Bericht zu ende zu führen.
      In 2017 steht wieder eine Tour an. Es soll über 10 Länder zum schwarzen Meer gehen. Wenn dich das interessiert findest du ab Mitte Juli mehr dazu auf Kradfahrer.blogspot.de und mz1000sf.blogspot.de Viele Gruße Marc

      Löschen